Mit dem dritten 4:1-Sieg in Serie hat die SpVgg Goldkronach am Sonntag die Tabellenführung verteidigt. Im Fichtelgebirgs-Duell mit dem TSV Bischofsgrün brachten Freistoßtreffer von Katholing und Arndt die Gronicher auf die Siegerstraße. Die Reserve errang immerhin ein Remis und hat damit nur eines der letzten fünf Spiele verloren.
Spielbericht von Fabian Nelkel (anpfiff.info)
- Ungewohnte Rolle: Blechschmidt im Torwarttrikot. Foto: anpfiff.
Am elften Spieltag kam es zum Aufeinandertreffen der beiden Kreisklassenabsteiger. Während die SpVgg Goldkronach mit nur einer Niederlage und einem Remis auf dem besten Wege zurück in die Kreisklasse ist, schippern die Bischofsgrüner im Mittelfeld der A-Klasse VII dahin. Sollte die Partie gegen die Spielvereinigung heute nicht gewonnen werden, müsste man die Wiederaufstiegspläne erst einmal ad acta legen. Spielertrainer Robert Czardybon war mit dem Auftreten seiner Truppe gegen Ködnitz keineswegs zufrieden, erhoffte sich Besserung und wollte nicht ohne Punkte nach Hause fahren. Nach drei ungeschlagenen Spielen in Folge konnte sein Gegenüber, Matthias Bauer, optimistisch drein schauen, auch wenn er ohne etatmäßigen Keeper auskommen musste. Doch der Ersatzmann sollte seine Aufgabe mit Bravour erledigen.
Standardsituationen mussten es richten
Die Anfangsphase gehörte jedoch den Gästen. Mit der Marschroute, die Czardybon seinen Schützlingen mit auf den Weg gab, hielten sie die SpVgg Goldkronach weit von ihrem Tor fern. Sie sollten ihre Gegenspieler richtig bearbeiten und dadurch die flotte Spielweise des Gegners kaputt machen. Dies zeigte Wirkung: bis zur 20. Spielminute war von den Hausherren in der Offensive nichts zu sehen. Schon mit dem ersten Angriff zeigten sich die Bischofsgrüner gefährlich, Zählbares sprang dabei wie auch in den weiteren Möglichkeiten der Anfangsphase nicht heraus. Sie überbrückten mit den weiten Abschlägen von Keeper Hanker schnell das Mittelfeld, die flotten Außenspieler um Munder und Vogl zeigten jedoch Schwächen im letzten Pass. So dauerte es bis zur 22. Minute, als Opel mit einem Schuss aus 14 Metern, der im letzten Moment von Sieg zur Ecke geklärt werden konnte, die erste Heimgelegenheit verbuchte.
- Jubel über Katholings Führungstreffer. Foto: anpfiff.
Die Führung sprang dabei erst im zweiten Anlauf heraus: den dritten Freistoß kurz vor der Strafraumgrenze legte sich Stürmer Sebastian Katholing zurecht und nahm Maß. Der fein getretene Freistoß landete unhaltbar im linken oberen Eck. Die Gäste ließen sich vom Rückschlag keineswegs beirren, drängten weiterhin auf ihren Torerfolg. Die schönste Kombination des Spiels vergab Raithel nur um wenige Zentimeter. Czardybon hatte zwei Gegenspieler im Mittelfeld stehen gelassen, schickte Tobias Munder auf dem rechten Flügel, der Wendler förmlich stehen ließ und anschließend auf Raithel querlegte. Nur wenige Momente später eroberte der TSV im Mittelfeld den Ball. Czardybon wurde steil geschickt, wurde im Sechzehner eigentlich schon abgedrängt, doch nahm das unnötige Foulspiel von Schullerus dankend an. Den fälligen Strafstoß verwandelte Tobias Sieg sicher. Bischofsgrün blieb weiter am Drücker, hätte mit dem Pausenpfiff gar die Führung markieren können – Munder traf im Strafraumgewühl aus wenigen Metern jedoch nur das Quergebälk.
Erst Gegentreffer, dann Platzverweise
Und auch für Goldkronachs zweiten Treffer kurz nach der Pause musste eine Standardsituation herhalten. Einen nicht unumstrittenen Freistoß legte sich Alexander Arndt zurecht. Aus etwa 20 Metern drosch er das Leder an der Mauer vorbei aufs Torwarteck, wo TSV-Schlussmann Hanker regungslos stehen blieb und nur hinterher sehen konnte. Die Gastgeber zogen sich nach der neuerlichen Führung in ihre Hälfte zurück, wollten sicher stehen und lauerten auf Konter. Die Bischofsgrüner dagegen stellten mit der vermeintlichen Fehlentscheidung, die zum Freistoß des 2:1 führte, das Spielen ein und ließen mit überhartem Einsatz und Diskussionen mit dem Unparteiischen ihrem Ärger freien Lauf. Die Konsequenz, die Coach Czardybon bereits in der Halbzeitansprache verdeutlichte, folgte auf dem Fuß – erst musste Tamajka und später auch noch Kapitän Bleier mit der Ampelkarte vom Platz. Die Partie plätscherte dahin, wurde häufig unterbrochen. Dabei verpassten die Hausherren die Vorentscheidung. Erst traf Katholing bei einem weiteren Freistoß nur den Pfosten, dann verzog Vogel nach scharfer Hereingabe. Mit einem feinen Schlenzer aus der Drehung war es dann in der 77. Spielminute soweit – wiederum war Katholing zur Stelle und markierte die Vorentscheidung. Den Schlusspunkt einer weniger ansehnlichen zweiten Hälfte setzte Josua Opel nach der Vorarbeit von Franz Rabenstein.
- Zinke enteilt Bischofsgrüns Spielertrainer Czardybon. Foto: anpfiff.
Aufstiegstraum rückt in weite Ferne
Nach dem tragischen Unglück des Bischofsgrüners Dominik Benker wollten seine Mannschaftskameraden ihm den Wiederaufstieg widmen. Nach dem nächsten Ausrutscher rückt dieses Ziel in weite Ferne. Der Abstand auf Tabellenführer Goldkronach wächst auf neun Zähler an. Für Goldkronach konnte es nicht besser laufen: drei Siege in Folge und weiterhin Platz 1 – doch die Konkurrenz lässt sich nicht abschütteln. Leuchau bleibt dem Spitzenreiter nach dem eigenen 6:0-Erfolg weiter auf den Fersen, ebenso die dritte Mannschaft des TSV Neudrossenfeld.
Tore: 1:0 Katholing (25. Minute), 1:1 Sieg (33.), 2:1 Arndt (52.), 3:1 Katholing (77.), 4:1 Opel (90.).
Goldkronach: Blechschmidt – Schullerus, Wendler, F. Rabenstein – Vogel, M. Rabenstein – Mertins, Zinke, Opel – Arndt, Katholing; H. Rabenstein (ab 11.), Helger (ab 85.), Bauer, Schwelerski.
Stimmen zum Spiel
Matthias Bauer (Trainer SpVgg Goldkronach): „Ich bin zufrieden. Es war das erwartet schwere Spiel. Ich muss sagen, ich war von meinem Ersatztorwart positiv überrascht! Der hatte am Anfang gleich zwei gute Aktionen, die er gehalten hat und die ihm Sicherheit gebracht haben. Der Ausgleichstreffer war ein dummer Fehler von uns: vorne blöd gespielt und dann in einen Konter gelaufen, der zum Elfmeter führte. Was uns zu Gute gekommen ist, war die körperliche Robustheit des Gegners. Sie haben richtig drauf gehalten, obwohl sie verwarnt waren und haben sich im Endeffekt durch ihre Gelb-Roten Karten selbst aus dem Spiel genommen. Ich bin mit der Leistung sehr zufrieden – darauf kann man aufbauen!“
Robert Czardybon (Spielertrainer TSV Bischofsgrün): „Das 2:1 hat uns aus dem Spiel gebracht. Es war aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung, da wir am Ball dran waren. Dann gab es Freistoß für den Gegner kurz vor dem Sechzehner. Unhaltbar – da kannst dem Hüter keinen Vorwurf machen. So haben wir das Spiel aus der Hand gegeben. Die Gelb-Rote Karte war dann das Sahnehäubchen oben drauf. Wenn wir so weiter gespielt hätten, wie in den letzten 20 Minuten der ersten Halbzeit, dann hätten wir mit Sicherheit nicht verloren. Wir hatten da kurz vor der Pause ein Ding, als der Ball an die Latte geht. Da waren wir eigentlich schon am Drücker! Man kann sagen, was man will, aber ich fand den Schiedsrichter nicht schlecht. Klar, wenn man zehn Mal hinten drauf knallt, dann ist das irgendwann die Gelbe und die Gelb-Rote Karte. Ich hab das schon in der Halbzeit angesprochen. Das sind Kleinigkeiten, die einfach das Spiel entscheiden. Deswegen haben wir auch verdient verloren!“
Reserven: SpVgg II – Bischofsgrün II 2:2
Spielbericht von Manfred Hautsch
Die Zuschauer sahen über weite Strecken ein ausgeglichenes Spiel. Zunächst neutralisierten sich beide Mannschaften. Goldkronach versuchte es mit Einzelaktionen, die selten zu einem Ergebnis führten. Kombinationen und Mannschaftsspiel wurden sträflich vernachlässigt. Die Gäste spielten häufig lange Bälle auf ihren Mittelstürmer, der sich jedoch sehr selten in Szene setzen konnte. Nach einem Zweikampf entschied der Schiedsrichter auf Strafstoß. Die Gäste verwandelten sicher. Danach besann man sich auf Seiten der Einheimischen darauf, dass Fußball doch ein Mannschaftssport ist. Einen Freistoß verlängerte Nüssel auf Kick, der mit einem Kopfballheber ins lange Eck dem starken Bischofsgrüner Torwart Schönauer keine Chance ließ.
Im zweiten Durchgang war Goldkronach spielbestimmend, konnte jedoch seine Überlegenheit nicht im gegnerischen Strafraum zeigen. Erst nach einem Foulspiel entschied der Referee erneut auf Elfmeter, den Peterson zum Ausgleich unter die Latte knallte. Wenig später übersah der Schiedsrichter ein erneutes Foul an einem Goldkronacher Stürmer. Als man auf ein drittes Tor der Einheimischen wartete – Möglichkeiten gab es genügend – wuchtete Friedrich einen Eckball per Kopf zum Ausgleich ins Tor. So blieb es am Ende bei einem gerechten Unentschieden. Goldkronach versäumte es, seine technische Überlegenheit in Tore umzumünzen.
Goldkronach II: Sturm – Nüssel, Gressmann, Amschler, Szech M., Zaloga L., Schwelerski, Neuner C., Ehl, Peterson, Pittroff; Pietsch (ab 32.), Schneider (ab 40.), Kick (ab 26.).
Tore: 0:1 Meisel (18.), 1:1 Kick (40.), 2:1 Peterson (63.), 2:2 Friedrich (80.)